Sonntag, 5. Oktober 2014

Kritische Bildbetrachtung

Ich habe schon länger keine "Gesamtbilder" (Totalaufnahmen) aus meinem Garten - außer den 12tel-Blick-Bildern - mehr gezeigt. Irgendwie finde ich meine Gartenüberblicksfotos immer recht langweilig, dokumentarisch. Ich komme da an die Grenzen meiner Fotografiekenntnisse. Ich will euch mal ein paar Beispiele zeigen, warum ich euch lieber Detailaufnahmen zeige als "Totalen".

Nehmen wir mal folgendes Foto:

Was hatte ich gesehen: Grasblütenstände vom Miscanthus und dem Pennisetum, die sich im Wind leicht bewegten, die rot leuchtenden Blätter der Blasenspiere und des japanischen Ahorns, die roten Hagebutten der Hechtrose, vor sattem Grün und sich deutlich abhebend von den schattigeren Bereichen des Bilds. Von dem Foto bin ich total enttäuscht, da die Kamera die Kontraste weggebügelt hat. Die Bereiche, die in der Sonne lagen, sind total überbelichtet, die anderen zu hell und wirken nicht so kräftig, wie ich sie gesehen habe.  Diese Kontrastumfänge gut wiederzugeben finde ich immer sehr schwer. Außerdem fehlt mir in dem Bild die Dynamik, die durch den leichten Wind erzeugt wurde.
Eine Detailaufnahme davon sieht so aus (hier bin ich allerdings mit der Bildaufteilung nicht 100% zufrieden):
Das Streiflicht kommt in den Ähren des Miscanthus gut zur Geltung, durch die Windbewegung wird in den Spitzen der Ähren eine leichte Unschärfe erzeugt. Das Bild hätte allerdings noch mehr Anteile des roten Ahornlaubs gebrauchen können. 

Zweites Beispiel:
Manchmal wirken die Bilder "unaufgeräumt" - Diese Japananemonen vor den Herbstastern sind in Natura mein absolutes Highlight, gerade weil sie nicht streng nach oben wachsen, sondern sich bewegen und sich gegenseitig durchwachsen. Die Farben ergänzen sich wunderbar. Das Bild drückt das für mein Empfinden nicht aus. Es wirkt zu zweidimensional und die Anemonen sehen eigentlich nur unordentlich aus.
Auch hier zum Vergleich eine Detailaufnahme, mit der ich eigentlich ganz zufrieden bin:
Die  Farbwirkung ist harmonisch. Es gibt einen klaren Fokus, die Anemonenblüte, der Rest wirkt gut als Hintergrund. 

Das letzte Beispiel:
Hier hatte ich gestaffelte Blüten - sowohl in der Höhe als auch in der Raumtiefe -  in verschiedenen Rosatönen gesehen. Ähnlich wie im obersten Bild passt die Belichtung nicht, die Möhrendolden im Vordergrund  und auch die rosafarbene Rosenblüte rechts wirken ausgebrannt, auch die Gießkanne im Hintergrund ist viel zu hell. Was mich hier aber besonders stört, ist die fehlende Tiefenwirkung des Bildes.
Hier die direkt danach gemachte Deteilaufnahme einer einzelenen Blume aus dem Ensemble:

 Hübsch, aber es fehlt ihr eben der Zusammenhang - wo steht sie, welche Begleitstauden stehen drum herum...  

Detailaufnahmen gelingen mir leichter, sie sind auch nicht immer gut, aber in der Regel deutlich vorzeigbarer. Und daher gibt es so selten Totalaufnahmen. Die muss ich noch üben - und nehme mir also für den nächsten Gartenrundgang vor, mehr davon zu machen. Am besten noch, bei Regenwetter :-)


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