Montag, 11. August 2014

Rain and Shine, oder "dem englischen Wetter trotzen"

Der Regen ist kein Grund, sein Picknick zu beenden.  
Schlechtes Wetter gibt es ja bekanntlich nicht, erst recht nicht für den durchschnittlichen Engländer. Als wir am letzten Dienstag in Stowe waren und uns bei einem Regenguss unter einem der dekorativen Triumphbögen unterstellten, kam ein Angestellter vorbei, mit dem ich darüber scherzte, dass ich nun endlich wüsste, wofür diese ganzen Tempel und Bögen im Garten stünden - nämlich um dem englischenWetter zu entgehen. Worauf er meinte, ja, da hätte ich einen Punkt, aber gerade würde es ja nun nicht besonders
regnen. Als wir später in unseren Regenjacken den Garten von Stowe verließen, sagte der Fahrer des Shuttle-Golfcarts zu mir. "YOU came prepared for the weather, didn't you?" Die Engländer trugen zum größten Teil Sommersachen
und saßen auch im leichten Nieselregen noch stoisch auf den Wiesen und picknickten.





Ein großer japanischer Ahorn bewahrte uns vor dem 
Schlimmsten, diese freundliche Engländer hier ließen 
sich allerdings nicht weiter stören. 
Heute war es tatsächlich anders,  im Garten von Stourhead sah man diverse Menschen in praktischer Outdookleidung: Regenjacke, Regenhut, Gummistiefel oder alternativ wenigstens mit Regenschirm. Immerhin hatte das Met-Office für heute eine offizielle Wetterwarnung herausgegeben - starker Wind mit Sturmböen und heftiger Regen waren für den Südwesten vorhergesagt. Beides hatten wir heute und nicht zu knapp, allerdings klarte es gegen Mittag soweit auf, dass es nur noch ab und zu regnete und wir uns für einen Besuch in Stourhead, einem weiteren Landschaftspark, entschieden. Erstaunlicherweise - und wenn man die folgenden Fotos ansieht, könnte man meinen, dass wir einen strahlenden Sommertag erwischt haben - war uns das Wetter dann wirklich weitgehend hold, nur ein Regenschauer erwischte uns, als wir gerade den am weitesten von jedem Gebäude entfernten Punkt des Rundwegs erreicht hatten.





Zum Glück hatten wir uns nicht abschrecken lassen, denn nicht nur das Wetter war größtenteils auf unserer Seite, sondern der Landschaftspark war auch noch ausnehmend schön, auch wenn sich die Autoren unseres Gartenreiseführers darüber mokierten, dass im Laufe der Zeit die Gestalt des reinen Landschaftsparks durch die Anpflanzung von Blütensträuchern (Hortensien, Rhododendron), rotlaubigen Bäumen und Koniferen zerstört worden wäre. Ich kann mir nicht helfen, dadurch bekam dieser Garten meiner Meinung nach zusätzliches Flair. Besonders beeindruckend fand ich eine 250 Jahre alte Rotzeder (Thula plicata), die im Laufe der Jahre nicht nur die Höhe von 40 Metern erreicht hat, sondern durch Bewurzelung von Seitenästen mehrere dicke Stämme gebildet hat, und sicherlich insgesamt einen Durchmesser von 10 Metern hat. Auf dem ersten Foto sieht man den Herrn Gärtner als Größenvergleich. An alle Thujafreunde (gibt es die überhaupt?): Passt auf eure Hecken auf, sie übernehmen sonst euren Garten!



Ansonsten sah man hier schon den Einfluss von Stowe bzw. der Gestaltungsprinzipien Alexander Kents, anders als dieser ist Stourhead aber ein Park, bei dem sich die Sicht- und Gestaltungslinien nach innen, auf den See hin konzentrieren. Wie dort gibt es einige "Tempel", eine kleine gotische Hütte, eine mehrbogige Brücke als Blickfänge, die so angelegt sind, dass man niemals den gleichen Anblick zweimal erhält - immer sorgen Bäume dafür, dass Blicke abgeschirmt werden und sich neue Blicke eröffnen. Neben dem, auch durch seine Höhenunterschiede schön strukturierten Landschaftsgarten, kann man in der Nähe des Hauses einen kleinen "Walled Garden" ansehen, der als Küchengarten und Schnittblumengarten genutzt wird. Darüber hinaus gibt es dort in einem der Gewächshäuser eine kleine Pelargonienkollektion mit wunderschönen Pflanzen. Selbst das nahe gelegene malerische Dorf, dass direkt hinter dem Gelände liegt, wirkt wie einbezogen in die Gestaltung des gesamten Ensembles - ein paar (bewohnte) Cottages, ein Pub und eine Kirche mit Friedhof runden das Bild noch weiter ab.









 



Nicht nur mir scheint dieser kleinere Garten besser gefallen zu haben als sein großes Vorbild - der trotz des schlechten Wetters volle Parkplatz und die vielen Besucher, die sich auf dem Gelände dann aber verteilt haben, sprachen dafür, dass es anderen genau so geht. Wenn nur ein Landschaftsgarten geht, dann dieser!

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