Donnerstag, 7. August 2014

British Summer - erste Eindrücke

Endlich ist der da, der langersehnte Urlaub - wir genießen ihn in vollen Zügen, auch wenn das Wetter hier "very british", also sehr unstet mit Regen und Sonne ist. Meinen eigentlichen Plan, hier jeden Abend über meine Eindrücke zu schreiben, habe ich gleich am ersten Tag ad acta gelelgt, da ich nach Fährüberfahrt und dem ersten Tag Linksfahren total erledigt war. Jetzt sind aber schon drei Tage um und die Entschuldigung zählt nicht mehr. Obwohl... die Tage sind schon recht anstrengend gewesen, aber auch voller toller Eindrücke.

Vier sehr  unterschiedliche Gärten haben wir in den letzten drei Tagen gesehen - vom sehr aufgeräumten Garten von Beth Chatto über eine riesige klassische englische Parkanlage bis hin zu zwei kleineren Landhäusern mit wunderschönen "Arts & Crafts"-Gärten (Die Arts & Crafts-Bewegung kann man als Vorläufer des deutschen Jugendstils ansehen). Gemeinsam ist allen natürlich die Größe, die den Gartenarchitekten natürlich ganz andere Möglichkeiten einräumt als es ein Hausgarten auf einigen hundert Quadratmetern erlaubt. So etwas wie formal in der Nähe des Hauses und naturnäher, je weiter man sich davon entfernt, ist eine schöne Idee, wenn man sich wirklich räumlich vom Haus entfernen kann. Trotzdem gibt es schon einige Ideen, die wir in den Garten des roten Hauses übernehmen werden. Heute erst mal nur ein paar Eindrücke aus den bisher besuchten Gärten.

Beth Chatto's Garden - hier erst mal nur der Kiesgarten, mit seinen trockenheitsverträglichen Pflanzen - obwohl wir beim Durchgehen viele Bekannte aus dem Garten am roten Haus gesehen haben. Aber wir gießen ja auch nur da, wo es unbedingt nötig ist. Die Philosophie dieses Gartens ist "Jede Pflanze am richtigen Platz".

Agapanthus (Schlangenlilie) übersteht in England den Winter auch draußen! 



Stowe Landscape Gardens - eine imposante Parkanlage auf über 120 Hektar, in der Pflanzen nur als blickversperrendes und blicklenkendes Element dienen. In dieser Anlage dreht sich alles um Blickachsen und die Symbolik der Namen. Angelegt vor 250 Jahren und seither weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten - klar, das eine oder andere Gebäude ist eingestürzt oder abgebrannt, aber die Achsen funktionieren auf jeden Fall noch. Leider war es ein trüber, regnerischer Tag in  Stowe.

Der Korinthische Bogen steht mehrere hundert Meter hinter den beiden kleinen Tempeln und bildet mit dem Haupthaus eine Achse. Wenn man aus dem nahegelgenen Ort Buckingham darauf zu fährt, kommt man über ein Kuppe auf eine schnurgerade Straße, die direkt auf den Bogen zuführt. Allein das ist schon beeindruckend. 

Hier stehe ich auf der anderen Seite des Sees, genau zwischen den beiden Tempeln vom oberen Bild. 


Einer der ersten Eindrücke aus dem Park - die Palladische Brücke über den See und im Hintergrund der "Gothic Temple"- das kann man nicht mit "Gotische Kirche" übersetzen, sondern der Name bezieht sich auf die Tradition der "gothic novel", also der Schauergeschichten, die Ende des 18. Jahrhunderts in England sehr populär waren. 
Die Rotunde ist beim Rundgang durch den Park immer wieder,
aus verschiedenen Blickwinkeln, zu sehen.
Die Säule zu Ehren irgendeines Kapitäns, im Hintergrund einer der vielen Tempel,
hier "der antiken Tugenden".

Hidcote Manor Garden - ein wunderschöner Garten, der die Idee verschiedenen Gartenräume aufnimmt. Wohl an die 30 verschiedene Gartenräume entdeckt man beim Rundgang, einige sehr formell, andere überbordend und farbenfroh.


Der alte Garten, sogenannte "Mixed borders" mit Sträuchern und teilweise
 mannshohen Stauden, weitgehend in Rot-, Rosa-und Weißtönen gehalten.


The Red Border - Der Name spricht für sich. Jetzt im August ist dieser Gartenbereich
 eines der absoluten Highlights auf Hidcote. 
The Fern Dell - ein am Hang liegender Bereich, der von einem
künstlichen Bach durchflossen wird. 

Der Garten geht ohne - sichtbare - Grenze in die Umgebung über. Ich habe das Geheimnis um den Ha-ha gelüftet - ein
Graben, oft von einer Mauer gestützt, der verhindert, das Unbefugte oder Schafe auf das Grundstück kommen, aber den
Blick nicht, wie die sonst hier übliche Mauer, aufhält. Wäre auch schade, denn man hat von hier einen tollen Blick in die
Umgebung. 

Das jüngst nach Orignalplänen wiederaufgebaute Gewächshaus diente vor allem der
Überwinterung der vielen exotischen Pflanzen, die der Gartenschöpfer Johnston
 aus allen Herren Ländern heran geschleppt hat (hat heranschleppen lassen
trifft es wohl besser). 

Und zum Schluss - Kiftsgate Court Garden - an vielen Stellen ähnlich wie das direkt nebenan liegende Hidcote (nebenan bedeutet in diesem Fall, vielleicht 1km, man war benachbart und befreundet, so dass die Ideen des einen den anderen beeinflussten), wurde dieser Garten zur gleichen Zeit in Angriff genommen. In Ermangelung eines amerikanischen Bankiervermögens dauerte es hier jedoch bis zur Fertigstellung deutlich länger - nämlich drei Generationen. An Kiftsgate wurde noch gearbeitet als Hidcote schon in denBesitz des National Trust übergegangen und in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war.
Ähnlich, aber keine Kopie. Auch hier gibt es Gartenräume und langgezogene "borders", beeindruckend hier ist aber die fast schon mediterrane Anmutung einzelner Gartenbereiche.



Hier gibt es "The yellow border", das gelbe Beet, in dem im Moment verschiedene Lilien dominieren.
Die Rosen sind leider hier schon verblüht. 

Kiftsgate liegt an einem Hang, der wunderschön in Szene gesetzt ist un auf
verschiedenen Ebenen großartige Einblicke in die Umgebung eröffnet. 

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