Montag, 30. Juni 2014

Lecker Erbsen

Garten-Koch-Event Juni: Erbsen [30.06.2014] Kennt ihr noch den Werbespot, in dem fröhlich tanzende Erbsen und Möhren voller Vergnügen vom Feld in die Fabrik zogen, um dort in eine Dose verpackt zu werden? Nein? Ihr habt nichts verpasst und auch schon damals - in den 70ern oder 80ern - stimmte die Werbung nicht mit der Realität überein. Eine meiner schlimmsten kulinarischen Kindheitserinnerungen sind diese blasskhakigrünen Schrumpeldinger aus der Dose. Am besten noch im gleich mitgebrachten Dosensud gekocht und - sagen wir mal diplomatisch - wenig gewürzt.

Jahrelang waren Erbsen in meiner Küche daher ein No Go! Erbsen gingen gar nicht. Irgendwann entdeckte ich dann TK-Erbsen. OK, konnte man machen. Sie lösten immer noch keine Begeisterungsstürme aus, aber immerhin, sie waren nicht ekelig.

Meine ersten eigenen Erbsen im Garten habe ich eigentlich wegen der wunderschönen Blüten angebaut, vor ein paar Jahren. Als ich dann die erste Schote pflückte, aufriss und mir pralle, leuchtend grüne kleine Perlen in den Mund hüpften, wusste ich, dass ich diesem armen Gemüse seit Jahrzehnten Unrecht getan habe. Es war eine Offenbarung. Inzwischen mag ich sie auch gekocht - nur ganz kurz, so dass sie noch knackig sind.


Gestern war es soweit - die ersten Erbsen den Jahrgangs 2014 landeten im Kochtopf:

Schweinefilet mit karamellisierten roten Zwiebeln und knackfrischen Erbsen

Man braucht: 

1 Schweinefilet
2 große rote Zwiebeln
500g Champignons
200g frisch gepalte grüne Erbsen
1 Becher Sahne
2 TL körniger Senf
ein Schuss Balsamicoessig
1 Glas Wein
Salz, Pfeffer, Chilipulver (oder frische Chilis)
Petersilie, gehackt

So geht's: 

Fertig - leider hatte ich nur das Handy beim Essen dabei.
Entschuldigt das miese Foto! 
Zwiebeln in Streifen schneiden, in einer großen Pfanne kurz anbraten, mit Balsamicoessig ablöschen, und dann langsam mit etwas Zucker karamellisieren lassen.
Während dessen Schweinefilet in Stücke schneiden, Champignons putzen und halbieren (je nach Größe auch vierteln), Petersilie hacken und Erbsen aus der Schote befreien (norddeutsch "palen").

Zwiebeln aus der Pfanne nehmen, dann Schweinefilet darin anbraten. Champignons und Chilipulver bzw. frische Chilis dazugeben, weiter braten. Wenn die Champignons Farbe genommen haben, Zwiebeln und den Senf dazu geben. Nach 2 - 3 Minuten mit dem Wein ablöschen. Sahne und Erbsen dazugeben und weitere 2 - 3 Minuten aufkochen lassen. Das reicht für die Erbsen völlig! Zum Schluss die Petersilie unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.

Dazu Brot oder Reis (wenn man den eine Sättigungsbeilage braucht), evtl. ein Blattsalat und Weißwein!



PS: Habt ihr auch so kulinarisch-katastrophale Erinnerungen an eure Kindheit? Ich würde ich über Kommentare freuen!

Sonntag, 29. Juni 2014

Wie geht's weiter im Gartenjahr?


Die neue Blumenwiese wird momentan dominiert von Kamille und Klatschmohn.
Ich hoffe, es kommen noch andere Blumen dazu!
Jetzt ist schon so ziemlich Halbzeit des Gartenjahrs - vier Monate liegen hinter uns, noch vier Monate gärtnerische Arbeit liegen vor uns, bevor der Garten wieder im Winterschlaf versinkt. Bisher war es ein tolles Gartenjahr - und wir haben schon viel geschafft - der Gemüsegarten mit den Kniehochbeeten quillt aus allen Nähten, die tiefer gelegte Feuerstelle mit den historischen Rosen drum herum haben wir dieses Jahr fertig gestellt und in Betrieb genommen und auf dem bisher vernachlässigten Gartenteil hinter dem Carport blüht jetzt eine schöne Blumenwiese. Die Obstbäume dort brauchen sicherlich noch etwas Zeit, bis sie in nennenswerter Menge Früchte tragen, aber eine Struktur ist angelegt.

Das Wetter hält mich heute grummelnd im Haus, obwohl ich ausnahmsweise mal nicht am Schreibtisch sitzen müsste - es regnet, mal wieder, wie so oft zuletzt, so dass statt Gestaltung Planung angesagt ist:

Für den Garten am Roten Haus steht in diesem Jahr nicht mehr so viel an Umgestaltung an - wenigstens nicht absehbar. Diese Jahr möchte ich sehen, wie sich die Pflanzen entwickeln, wo vielleicht noch eine (vorsichtig) ordnende Hand, eine Stütze nötig wird, wo Beete nicht passen, weil Pflanzen zu viel Platz beanspruchen, wo vielleicht auch noch ergänzend etwas gepflanzt werden kann.



Derek Jarmans Prospect Cottage auf Dungeness
(Foto By Lancevortex [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons)
Das kann sich natürlich noch ändern, wenn wir von unserer Gartenreise zurück sind. In unseren Sommerferien planen wir eine Reise durch Südengland, wo wir uns einige spannende Gärten angucken wollen: Die Beth Chatto-Gardens, unvermeidlich ist sicherlich Sissinghurst, Hidcote Manor und Prospect Cottage in Dungeness, to name but a few. Über Dungeness stolperte ich in letzter Zeit immer wieder, im Internet, in der Zeitschrift Gartenpraxis und in verschiedenen Gartenbüchern - ein Künstlergarten komplett auf dem Kies, der den Boden dieser Halbinsel ausmacht. Die Bilder, die ich gesehen habe, sind spektakulär und ich bin ganz gespannt. So ganz genau haben wir noch nicht festgelegt, was wir alles sehen wollen - es gibt zuviele Gärten und zwei Wochen sind einfach zu kurz um alles zu sehen. Was feststeht, sind unsere drei "Base Camps" - eins in der Nähe von Oxford mit dem Cotswolds im Hintergrund, eins in der Nähe von Bath und eins südöstlich von London. Wir haben den "Gardener's World 2-for-1 Entry Guide", mit dem wir zum halben Preis in verschiedene Gärten kommen und wir haben einige Tipps aus Gartenreiseführern. Unser Plan ist, uns treiben zu lassen, zu sehen, was die "locals" noch empfehlen und mit vielen neuen Eindrücken wieder nach Hause zu kommen. Und vielleicht wird dann die eine oder andere Idee im Garten am Roten Haus doch noch umgesetzt...

In Planung ist auch noch eine Fahrt nach Schloss Ippenburg am nächsten Wochenende. Dort findet das älteste deutsche Gartenfestival statt. In Schloss Ippenburg waren wir schon vor ein paar Jahren zur damaligen Landesgartenschau. Dort hat mich der tolle Küchengarten inspiriert - er war der Anstoß zu unserem Buchsparterre im Vorgarten. Außerdem gab es ein Heckenlabyrinth mit vielen verschiedenen spannend gestalteten "Kleingärten". Diese sind, soweit ich weiß, erhalten geblieben, so dass es interessant sein wird, die Weiterentwicklung der Gärten zusehen.

Einer der Gärten im Heckenlabyrinth auf Schloss Ippenburg
Aber das war's auch schon mit den Plänen - und dann wird natürlich noch fleißig geerntet, gekocht und gebacken, z.B. damit:

Erbse "Blouwschokker" 

Sonntag, 22. Juni 2014

Der 12tel Blick im Juni

Es ist schon wieder Zeit für den 12tel Blick. Rückblickend ist in diesem Monat wegen Arbeit, verplanter Wochenenden und auch dem mäßigen Wetter viel liegen geblieben.

Im Juni gab es bisher drei superheiße Tage über Pfingsten, der Rest war durchwachsen bis zu kalt und recht regnerisch. Trotzdem wächst und blüht im Garten alles wunderbar (siehe die vielen Fotos im letzten Post!). Der Midsommer-Abend gestern war, so wie die letzten Tage eigentlich immer, kühl und bedeckt. Die Sonne hat heute Abend, an einem der längsten Tage des Jahres, jedoch ein Einsehen mit uns, so dass ich trotz kühler 17°C und recht starkem Wind um 20.30 Uhr wenigstens noch ein paar Fotos bei strahlendem Sonnenschein machen konnte.

Seht selbst:

Der Garagenblick: 

Mai

Juni
Hier kann man den Wind erahnen. Die Margeriten und anderen Blumen der Wiese mussten wir leider jetzt mähen, sie waren nicht mehr schön und teilweise war die Wiese vom Regen und Wind plattgedrückt. Der Schnitt bleibt liegen, damit die Pflanzen sich neu aussamen können. An der Garagenwand links dominiert im Moment die Malve "Mystic Merlin", die an anderer Stelle bereits die Zweimetermarke überschritten hat! Das Beet am Gitter braucht aber dringend Pflege und etwas Auslichtung! Aber ach... die Zeit!


Der Gargoyleblick: 

Mai


Sorry für die etwas merkwürdigen Farben, das ist das Abendlicht, das das Beet noch halb streift, halb bereits dahinter liegt. Der Ausschnitt passt, das sehe ich keiner jetzt erst, auch nicht ganz. Das Beet liefert die geballte Rosenpracht, hoffentlich hält sie noch ein Weile! Den Schmetterlingsflieder hinter dem Gargoyle habe ich unten rum etwas entastet, sonst würde man weder den Gargoyle noch die Rosen noch sehen.

Der Rosenbogenblick:

Mai
Juni 
Der Weg vor dem Haus ist ganz verschwunden unter Schwaden von Thymian links und Frauenmantel rechts. Kaum noch ein Durchkommen. Zum Glück nimmt der Thymian gelegentliche Tritte nicht übel. Die Clematis ist ein Traum und blüht sagenhaft.

Samstag, 21. Juni 2014

Aktuelle Gartenimpressionen zum Sommeranfang

Ohne viele Worte - heute ist Sommeranfang, es ist so kalt wie an den wärmeren Tagen des Winters, Regen ist angekündigt. Neulich Abend war das Wetter aber noch ganz brauchbar, daher gibt es jetzt neueste Fotos aus dem Garten des roten Hauses:


Donnerstag, 19. Juni 2014

Die Erntezeit beginnt

Die Erntezeit beginnt und damit die Zeit der leckeren Dinge, die aus dem Gemüsebeet direkt in die Küche des roten Hauses wandern.

Bereits seit zwei Wochen versorgen uns Erdbeerbeet 1 und 2 (1 ist ein Hochbeet im Gemüsegarten, 2 ist die Unterpflanzung der Hecke am Trafohäuschen und war eigentlich gar nicht für die Erdbeerversorgung vorgesehen) täglich mit genügend Erdbeeren für das Frühstück und einen kleinen Nachmittagssnack - lange nicht die Mengen wie im letzten Jahr, aber wir haben ja auch die Anbaufläche drastisch reduziert. Immerhin hat es gereicht, um einen gar köstlichen Erdbeersirup einzukochen, Low Carb, weil mit Erythrit statt Zucker (das ist ein Zuckeralkohol, der zwar süß ist und auch böse Kalorien hat, aber nicht blutzuckerwirksam und damit eben als Low Carb gilt). Erdbeerbeet 3 ist übrigens die Schale unten, dorthin ist die späte Sorte Erdbeeren umgezogen, die jetzt auch schon anfängt zu tragen.

Dann habe ich gestern die roten Bete ausgedünnt und süße Babybeets geerntet, damit die anderen mehr Platz haben zu großen Beten zu werden. Die letzten verbliebenen Kohlrabi, die nicht komplett von den Schnecken vernichtet wurden und einige Zwiebeln, deren Laub vom Wind abgeknickt war, sind auch bereits in die Küche gewandert. Für die Kohlrabi habe ich schon eine Idee... Aber dazu kommt bestimmt ein späterer Post (der schon geschrieben ist, dem aber noch ein paar Fotos fehen).

Und außerdem habe ich die ersten Brokkolis geerntet. Im Gegensatz zu den Blumenkohl... (Was ist eigentlich die Mehrzahl von Blumenkohl - Blumenkohle?) ... also den Blumenkohlköpfen waren sie überhaupt nicht von den Schnecken in Mitleidenschaft gezogen worden. Die geernteten Brokkoliköpfchen waren Handelsklasse 1a - mindestens. Premiumbrokkoli sozusagen! Ich hatte noch nie so frischen Brokkoli, vom Beet in die Küche und dann sofort in den Topf. Obwohl... Die Strünke und Rosetten waren so zart, dass man sie roh essen konnte. Soooo lecker. Aber ehe ich noch mehr ins Schwärmen komme, verrate ich euch, was ich daraus gemacht habe.




Brokkoli Stirfry mit Rindfleisch und Chili

Zutaten
  • 350 Rindersteak (ich hatte Minutensteaks, die sind schon schön dünn)
  • 500g Brokkoliröschen
  • 4 Zwiebeln
  • 3-4 Chilischoten
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • Fünfgewürzpulver
  • Chilipulver
  • Sojasauce
  • Reiswein
  • Sesamöl
Brokkoli, Zwiebel und das Chilipulver waren "eigene Ernte" - das Chilipulver die gemahlenen Aji Amarillos und Limon-Chilis aus dem letzten Jahr. Schön scharf!

So geht's

Ich habe zum Abmessen der Flüssigkeiten ein 4 cl Schnapsglas genommen, das finde ich angenehmer als mit Esslöffeln zu hantieren, wenn man größere Mengen braucht. Und ich mag gern viel Sauce!
  • 1 Gläschen Sojasauce, je 1/2 Gläschen Reiswein und Sesamöl mit 1TL Fünfgewürzpulver und Chilipulver (Menge nach Schärfetoleranz) verrühren. Das Fleisch in ganz dünne Scheiben schneiden - so wie man es von Chinarestaurant kennt, sonst bleibt es zäh! Die Sauce über das Fleisch geben, gut durchrühren und mindestens 1 Std. im Kühlschrank marinieren.
  • Währenddessen den Rest vorbereiten: Brokkoli in Röschen Teilen und den Strunk zu anderer Verwendung (Suppe, Gemüsebrühe...) aufheben. Kurz in kochendem Wasser blanchieren. Chili, Ingwer, Knoblauch fein hacken. Ca. die Hälfte der Chilis zu Seite stellen. Zwiebeln in Streifen schneiden (Mir läuft grad beim Schreiben wieder das Wasser im Mund zusammen). Eine weitere 2:1:1-Mischung aus Sojasauce, Reiswein und Sesamöl herstellen, diese wird mit 2 TL Speisestärke verrührt. Etwas Fünfgewürzpulver kann auch nicht schaden.
  • Wenn alles fertig ist, Öl im Wok erhitzen. Das Fleisch portionsweise anbraten (wichtig! Sonst brät es nicht sondern kocht und wird auch zäh! Bei mir waren es drei Portionen.), zur Seite stellen. Noch etwas Öl in den WOK geben und Chili, Knoblauch und Ingwer unter ständigem Rühren anbraten. Dann den Brokkoli und die Zwiebeln dazu geben, braten bis Zwiebeln und Brokkoli bissfest sind, dann Fleisch, zur Seite gestellte Chili und die Stärkemischung in den Wok geben. Kurz aufkochen lassen, abschmecken (mehr Chili? mehr Fünfgewürzpulver?), fertig.
  • Ich hatte keinen Koriander (der eine ist abgeerntet, der nächste noch nicht fertig - ich muss das besser timen!), aber ich glaube, etwas Koriander würde dem Essen auch gut tun.