Samstag, 11. Januar 2014

Viel Zeit zum Lesen

Eine Buchrezension habe ich hier noch nicht verfasst, da ich bisher wenige Gartenbücher gelesen habe, die mich dazu herausforderten.

Die meisten meiner (im Vergleich zu Kochbüchern) eher wenigen Gartenbücher sind Ratgeber: Bücher mit Gartentipps, Informationen über Pflanzen und deren Pflege und Anleitungen zur Gartenanlage. Die schaue ich an, lese hier und da und wenn ich im Garten bin, habe ich das meiste vergessen und mache dann doch wieder meine eigenen Fehler und Erfahrungen.










Die zweite Kategorie sind Bildbände, von denen ich tatsächlich nur zwei mein eigen nenne - Coffeetablebooks, schön, um sie an einem verregneten Sonntag Nachmittag, an dem man nichts besseres zu tun hat, anzusehen und vom Garten zu träumen. Schade eigentlich, dass diese Sonntage so selten sind.
Hier bekommt ihr nich nur ein Bild von "Traumgärten", einem wunderschönen Bildband, in dem hauptsächlich englische Gärten vorgestellt werden, sondern auch einen Einblick in unsere neugestaltete, inzwischen zum Lesen, Kaffeetrinken und Musikhören  einladende Galerie.


Es gibt noch die dritte Kategorie: Bücher, die tatsächlich einen lesenswerten Fließtext haben, also echte "Lesebücher". Meist berichten hier mehr oder weniger bekannte Menschen mit einer gewissen Selbstironie und oft aus der Perspektive des "Neugärtners" von ihren Erfahrungen mit dem eigenen Garten. Die Anzahl solcher Bücher nimmt deutlich zu. Oder mir sind sie vorher einfach nie aufgefallen. Einige davon habe ich in den letzten zwei Jahren gelesen, in Erinnerung geblieben sind mir eigentlich nur drei:






In "Feldversuch"  beschreibt Max Scharnigg, ein Journalist und Autor aus München, wie er einen Streifen Acker vor den Toren der Stadt für einen Sommer bewirtschaftet, mit all den Hochs und Tiefs, den Sorgen und Nöten eines Menschen, für den ein Garten und die Selbstversorgung etwas Neues, Aufregendes ist. Man kann sich dort wiederfinden, man leidet mit ihm und seinem Fräulein, wenn im Sommer die Pflanzen dürsten, weil auf dem Acker ohne Wasseranschluss natürlich die Bewässerung mühsam ist. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er mit vor Dreck strotzenden Gummistiefeln die Treppen den Münchner Innenstadtwohnhauses Hochstapft und die gute Ackererde überall verteilt. Am Ende droht, wie vertraglich festgelegt, der Pflug!
Sehr amüsant und unterhaltsam geschrieben, auf jeden Fall eine Empfehlung.

Auch Wladimir Kaminers "Mein Leben im Schrebergarten" würde ich unbedingt weiterempfehlen, auch wenn sich hier der Buch-Alzheimer, der mich von Zeit zu Zeit befällt, bemerkbar macht. Ich erinnern mich noch, dass ich das Buch so schnell gelesen habe, weil es sehr fesselnd geschrieben war - an Details kann ich mich aber kaum noch erinnern. Kaminer schreibt über seine Erfahrung mit einer urdeutschen Institution: dem Kleingartenverein, hier repräsentiert durch die Kolonie "Glückliche Hütten". Familie Kaminer übernimmt eine Parzelle um das verklärte Gartenidyll der tschtschenischen Großmutter wieder Aufleben zu lassen (Olga K.) und um einen Platz zum Grillen zu haben (Wladimir K.).  Rhabarber spielte eine Rolle, das weiß ich noch, die teilweise wahnwitzigen (und vom Autor sicherlich überzeichnet dargestellten) Auflagen und Bestimmungen der Kolonie genauso wie skurrile aber sympathische Parzellennachbarn.
Bei meinem "Erinnerungsauffrisch-Googlen" habe ich gerade gelesen, das Kaminer nun ein weiteres Gartenbuch geschrieben hat - "Jenseits von Eden". Auch das klingt ganz witzig und hat es soeben ganz nach oben auf die Liste der noch zu lesenden Bücher geschafft.

Zum Glück habe ich jetzt ja viel Zeit dafür, da ich nach einer - aus gärtnerrischer Sicht taktisch in den Winter gelegten - Handoperation komplett außer Gefecht gesetzt bin und außer Lesen und Surfen sowieso nicht viel tun kann.

Über eins der anderen Bücher, das sich deutlich von den anderen unterscheidet und anders als die oben beschriebenen die Wohlfühlzone verlässt, werde ich beim nächsten Mal schreiben.

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