Samstag, 18. Januar 2014

Viel Zeit zum Lesen, Teil 2

So, nun bin ich endlich fertig mit meiner Rezension über Jakob Augsteins Buch "Tage des Gärtners - Vom Glück im Freien zu sein". Und obwohl ich mich wirklich bemüht habe, das Ganze kurz und knapp zu halten, ist sie dann doch etwas länger geworden, denn es gab so viele Punkte, an denen ich hätte einhaken können.

Ich habe mich mit der Diktierfunktion meines Computers "amüsiert", so dass ich euch bitte, etwaige Rechtschreibfehler, die ich und der Herr Gärtner übersehen haben, zu ignorieren. 

Jakob Augstein ist ein nicht ganz unumstritter Journalist, der mit seiner Familie im brandenburgischen ein Häuschen mit Garten gekauft hat und nun diesen Garten nach seinen Vorstellungen pflegt. Dass seine Vorstellung mit meinen nicht immer kompatibel sind, machte das Buch für mich interessant, reizten mich jedoch immer wieder zu Widerspruch:

“Eine Idylle auf 200 m² ist nur auf Kosten der Natur herstellbar und im Kampf gegen sie. Das ist die Wahrheit.“ (Jakob Augstein, „Die Tage des Gärtners - Vom Glück im Freien zu sein“, DTV München, 2013.)

Muss ich mehr sagen? Dies ist nur eins von unzähligen Zitaten im Buch von Jakob Augstein, die mich widersprechen ließen und die der Grund dafür waren, dass ich mich entschieden habe, diese Buchrezension zu verfassen. Natürlich gebe ich hier nur meine persönliche Meinung wieder, ganz subjektiv und von meiner eigenen Erfahrung und Einstellung zum Gärtnern geprägt. Wer bereits länger meinen Blog liest, weiß, das ich hier am Roten Haus versuche, einen weitgehend naturnahen Garten zu gestalten.


Dagegen steht alles, was Augstein in seinem Buch über den Garten und die im Garten inhärente Ordnung schreibt. Wenn ich noch mal zitieren darf (ebenda, Seite 107):

“Das Leben des Gärtners ist der Ordnung  gewidmet. Und ohne Ordnung ist der ganze Garten nichts. Das ist die Wahrheit.“

Natürlich greife ich als Mensch in den Garten ein, auch in einem naturnahen. Und natürlich strebe ich eine Struktur an. Doch versuche ich, diese Eingriffe so gering wie möglich zu halten Ich finde es schön, wenn selbstaussamende Blumen durch meinen Garten wandern:  so tauchen Ringelblumen, Hornveilchen, Akeleien an unerwarteten Stellen auf. Und sie dürfen, wenn es nicht gerade im Gemüsebeet oder in einem der zwei anderen Beete hoher Ordnung passiert, dort auch stehen bleiben. Und so ist auch nicht mehr jedes Unkraut ein persönlicher Feind, den ich mit jedem jeder Faser meines Herzens hassen und gegen den ich mit allen Mitteln ankämpfen muss. Ich habe mich mit den Grenzen des Machbaren abgefunden und  gebiete dem Unkraut nur dort Einhalt, wo es wirklich stört. Meiner Meinung nach alles eine Frage der Planung: Ein Terrassenpflaster wie unseres mag nicht jedermanns Sache sein, löst aber das Problem mit Gras und Unkraut in den Pflasterfugen auf elegante Weise.

Aber zurück zu Augsteins Buch. So gibt es auch Stellen, an denen ich Augstein aus vollem Herzen zustimmen kann: In seiner Vorliebe für Frühblüher  zum Beispiel, in seiner Abneigung der Farbe Gelb gegenüber (außer bei Frühblühern), der Tatsache, dass die große düstere Eibe  in seinem Garten als erstes verschwinden musste – Nadelbäume haben in einem Hausgarten meiner Meinung nach keinen Platz. Auch schätzt Augstein genau wie ich Hortensien sehr,  verabscheut Laubbläser und hält sich ein paar Laufenten (wir haben zwar keine, was aber in erster Linie der Vernunft des Herrn Gärtners geschuldet).

An anderen Stellen geht es mir wie mit der Ordnung.  Hier habe ich Schwierigkeiten, den Überlegungen des Autos zu folgen.  Viele Dinge kann man sicherlich auf persönlichen Geschmack zurückführen (Toleranz von Unkraut, Vorlieben und Abneigungen gegenüber bestimmten Pflanzen, auch das Vorhandensein von Nutzpflanzen im Garten – das schließt auch Obstbäume mit ein). Aber über Geschmack lässt sich ja vortrefflich streiten. Und da lebe ich ja nach dem Motto des alten Fritz (?) “Es möge ein jeder nach seiner Fasson glücklich werden“. Will heißen: Jeder mag in seinem Garten etwas anderes und dass ist auch gut so.

Die Frage jedoch, welche Rolle Tiere in seinem Garten spielen, stößt bei mir auf absolutes Unverständnis. Er schreibt:

„Der Gärtner duldet nämlich im Garten ja keine Tiere. Oder besser: Er duldet sie eben nur - Gerade so lange, wie sie den Zweck des Gartens nicht in die Quere kommen. Tiere sind kaum zu bändigen. Sie haben[...] im Garten nichts zu suchen. Einem Tier siegt immer die Natur, während der Garten kein Ort der Natur ist, sondern einer der Ordnung.“ (ebd., S.163)

Und ein paar Seiten später konstatiert er sogar,  dass das Tier im Garten meistens als Feind auftritt und dass  das Tier zu Gunsten der blühenden Pflanzen das Nachsehen hat: “Igel blühen nicht“ (ebd. S. 165)  - Ich übersetze das mal: Tötet die Schnecken (neben dem Giersch der Todfeind des Gärtners)  ruhig mit einer Überdosis Schneckenkorn, wenn dann auch noch ein Igel drauf geht, ist es auch nicht so schlimm, denn ... s. o.!

Am Gesang der Wildvögel erfreut er sich dann aber doch. Und ich denke, dass auch der gelegentliche Schmetterling, der sich in seinen Garten verirrt sicherlich geschätzt wird. Aber diese Tiere stören ja auch nicht das Bild der perfekten Ordnung – zu mindestens so lange, wie die Schmetterlinge es nicht wagen Eier an seinen kostbaren  Pflanzen zu legen, aus denen dann gefräßige Raupen schlüpfen.

Dies sind nur einige Punkte - womit ich vermutlich auch Probleme habe, ist der Schreibstil des Herrn Augstein. Gar nicht einmal, dass er mit Vorliebe abschweift und vom Hunderten ins Tausendste kommt - das mag ich ganz gern (und kann das auch ganz gut :-) Was mich eher stört ist der fast schon belehrende Ton: Augstein schreibt sein Buch mit einer angenommenen Autorität über das Gärtnern, die seine Äußerungen dem Leser zunächst als absolute Wahrheiten erscheinen lassen. Untermauert wird dieser Anspruch durch durchaus fundierte botanische Kenntnisse: So weiß er von jeder seiner Pflanzen, wo sie herkommt, Ihren exakten botanischen Namen, und warum sie so unerlässlich ist für seinen Garten – nein, für jeden Garten.  Der Benennung von Pflanzen und der wissenschaftlichen Ordnung im Tier-und Pflanzenreich widmet Augstein ein Teilkapitel – und outet sich damit als der Pedant, als der er im Gartenmarkt nicht da stehen möchte, wenn ihm einer eine „Elegans-Funkie“ verkauft, obwohl es sich doch botanisch korrekt um Hosta sieboldiana var. elegans Hylander (und bitte auch genau in dieser Schreibeweise mit Kursiv- und Normalfont) handelt.
Hinter dieser botanisch/gärtnerischen Korrektheit versteckt sich die Tatsache, dass Augstein eben nicht als Experte sondern als interessierter Laie schreibt.

Und so wünsche ich Herrn Augstein viel Vergnügen in seinem vermutlich perfekt geplant, ordentlich, weitestgehend unkraut- und tierfreien Vorzeigegarten. Meiner sieht anders aus. Und trotz meiner Kritik empfehle ich das Buch als Anreiz, über den eigenen Garten nachzudenken,  gerne weiter. Oft bekommt man ein klareres Bild, dessen was man will, dadurch, dass man  sich vor Augen hält, was man nicht will.

Worüber ich gar nicht geschrieben habe, was ich aber auf keinen Fall unerwähnt lassen möchte, sind die wunderschönen  Illustrationen im Buch von Niels Hoff, die an alte Stiche erinnern und das Buch mit sehr treffenden Bildern auflockern. Besonders schön: die verschiedenen Zwiebeln und die Laufenten. 


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