Sonntag, 14. Oktober 2012

Herbsttag


Herbsttag
HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
(Herbst 1902)

Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß
Auch wenn alle meckern, der Sommer war wirklich nicht so schlecht. Immerhin haben wir fast die gesamten Sommerferien, also von Ende Juli bis Ende August schönes Wetter gehabt. Erinnert sich wohl nur kaum noch einer dran. Der Frühling und der Frühsommer waren verregnet und kalt, das haben noch alle im Kopf. Ich kann dieses jahr sagen "Na und?", unser Garten war ohnehin noch nicht "einsatzfähig". Doch schon jetzt, wenn ich mir die Bilder von - sagen wir mal - Juni anschaue und mit heute vergleiche... da ist viel passiert und aus einem Acker ist ein Garten geworden. 

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
Es wird jetzt früher dunkel und im Garten sieht man deutliche Veränderungen im Schattenverlauf über den Tag. Beete die im Sommer eigentlich den ganzen Tag in der Sonne lagen, haben jetzt mehr Schatten als Licht - das Asia-Beet zum Beispiel, oder das Rosenbeet an der Terrasse. Bei den Bambussen mache ich mir da keine Gedanken, mal schauen ob die Rosen das mitmachen. Mal schauen, ob wir das im Lauf des nächsten Jahres noch mal umstrukturieren müssen.

Und auf den Fluren lass die Winde los
Vor ein paar Tagen ist bereits der erste Herbststurm hier durch gezogen. Wir liegen hier ohnehin in einer unglaublich windigen Zone, auch im Sommer war Wind unser ständiger Begleiter. Unsere hoffnung ist, dass es besser wird, wenn noch das eine oder andere Haus am Westrand des Baugebiets steht und den Wind bricht. Außerdem ist unsere Hecke nach hinten in Sicht. Wir haben uns für Vogelnährgehölze entschieden, also eine klassische Wildhecke, die nicht oder nur wenig geschnitten wird. Da sie recht hoch und dicht wird, wird sie sicherlich auch in ein paar Jahren zum Windschutz beitragen. 



Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; Gib ihnen noch zwei südlichere Tage
Die Tomaten- und Chilipflanzen hängen noch voll, allerdings befürchte ich dass auch die "zwei südlicheren Tage" nicht mehr wirklich einen Unterschied machen. Tomaten kann  man pflücken und mit einem Apfel in eine Papiertüte stecken, damit sie nachreifen. Ob das auch bei Chilis funktioniert, müssen wir ausprobieren.

Ansonsten hat das Gemüsebeet uns reiche Beute beschert - bestimmt 20 rote Bete- und genauso viele Fenchelknollen, einen Riesenkürbis und drei kleinere Exemplare, soviel Salat, dass wir gar nicht nachkamen mit essen, ein paar Kohlrabi, ein paar Lauchstangen, Koriander ohne Ende, Tomaten und Chilis. Dabei habe ich dieses Jahr ja erst spät - Ende Juni - ausäen können. 

Über Winter bleiben nur die Erdbeeren, die Winterheckenzwiebeln und der Rucola, den ich Ende September noch ausgesät habe, auf den Beeten. Für nächstes Jahr stehen zusätzlich auch noch Möhren, Zuckererbsen, Pak Choi und mindestens eine Kohlsorte auf meinem Aussäe-Plan. Erwähnte ich die ungefähr 8 Tomatensorten, die ich anbauen und die ca. 8 Chilisorten, die der Herr Gärtner aussäen will? 


Ein Gang durch den Garten zeigt inzwischen den Herbst von seiner schöneren Seite - leuchtende Farben, ein wenig wehmütige Endzeitstimmung und einige letzte tapfere Pflanzen, die die Erinnerung an den Sommer aufrecht halten. Noch ein paar Wochen, wenn das Wetter mitspielt, bevor man ans endgültige Aufräumen und Einpacken der empfindlicheren Pflanzen gehen muss. 





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