Mittwoch, 29. August 2012

Floriade 2012 in Venlo

Da wir ja während unserer Ferien nun nicht JEDEN Tag im Garten buddeln, pflanzen und Steine schleppen wollten, fuhren wir für DREI Tage in den Urlaub, was soll ich sagen, natürlich um die Weltgartenbauausstellung in Venlo, NL, zu besuchen.

Das Gelände der Ausstellung ist 66ha groß und in 5 Themenwelten gegliedert: "Education & Innovation", "Green Engine", "Relax & Heal", "Environment" und "World Stage". Dabei wurde mir der inhaltliche Unterschied zwischen den ersten beiden nicht so recht deutlich - im ersteren ging es natürlich auch um Naturerfahrungen und Bildung, Innovationen und das Potential von Natur und Gärtnerei für die Wirtschaft wurden jedoch in beiden Bereichen gezeigt. Am besten gefallen haben mir zum einen der Bereich "Environment", in dem es um naturnahes Gärtnern und die Bedeutung des Gartenbaus zur Arterhaltung ging, und der Bereich "Relax & Heal", der das Entspannungspotential von Gartenbau in den Mittelpunkt stellte.

Während man auf dem Gelände unterwegs ist, hat man den Eindruck, dass man durch einen Wald läuft, allerdings deuten frühe Luftaufnahmen des Geländes darauf hin, dass viel dieses "Waldes" für die Floriade angepflanzt wurde und den bestehenden Baumbestand ergänzt hat. Insgesamt fand ich das Gelände sehr harmonisch angelegt, die einzelnen Themenwelten lagen auf den "Waldlichtungen" und um von einem Bereich zum anderen zu gelangen, ging man jeweils ein paar Minuten durch eins dieser dankenswerterweise schattigen "Waldstücke". Um die recht große Distanz zwischen beiden Enden des Geländes zu überbrücken, gab es eine Seilbahn - die einzige der Niederlande, betrieben von Österreichern. Man konnte sich also bequem über das Gelände gondeln lassen.




Eins der Negativbeispiele - Bangladesh
Nicht besonders gelungen fanden wir beide den Bereich "World Stage" - leider haben die meisten Länderpavillons die Chance verpasst, den landestypischen Charakter ihrer Gärten darzustellen. Die meisten Pavillons dienten einzig dem Zweck, den üblichen Touristenramsch an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Einige verzichteten dabei komplett auf die Gestaltung ihres Außengeländes.

Beispiele, dass es auch anders ging, zeigten unter anderem die Chinesen, die eine wunderschöne Replik eines Tempelgartens aufgebaut hatten, und die Belgier, deren Pavillondach vollständig begehbar war und die eine Dünenlandschaft zeigte. Die Spanier verzichteten zwar auf eine gärtnerische Gestaltung ihres Außengeländes, ihr Pavillon beeindruckte trotzdem durch seine Farbigkeit - im Inneren ging es immerhin thematisch passend um die Landwirtschaft des Landes. Sehr schade fand ich, dass es keinen englischen Pavillon gab

Zwei Tage waren gerade genug, um das Gelände einmal vollständig zu erkunden, zumal es brütend heiß war und die Sonne in den jungen Gärten meist gnadenlos auf uns herab knallte. Natürlich hatten wir keine Hüte dabei und die vor Ort erhältlichen waren uns zu hässlich - also ertrugen wir lieber den Sonnenbrand auf dem Kopf. Ich glaube, interessant wäre es, das Gelände zu verschiedenen Jahreszeiten zu erleben, aber auch so haben wir viele beeindruckende Anpflanzungen gesehen - die Pflanze dieses Sommers ist eindeutig das große Eisenkraut.

Wunderschön fand ich auch das Federgras "Stipa tenuissima"in Verbindung mit Birken oder mit Präriepflanzen.





























Was mich auch beeindruckte, war die Organisation des Ganzen - als wir ankamen, stand eine bestimmt 100 Meter lange Schlange vor der Bushaltestelle, so dass wir zunächst befürchteten, es würde Stunden dauern, bis wir am Gelände wären. Die Pendelbusse zwischen Parkplatz und Eingang fuhren jedoch fast im Minutentakt, so dass wir kaum 10 Minuten warten mussten, bis auch wir einsteigen konnten. Auf dem Gelände - ebenfalls sehr entspannend - gab es eine -kleine - Ladenzeile direkt am Eingang, wo man die üblichen Touristendevotionalien, die eine solche Veranstaltung benötigt, sowie einigen gärtnerischen Schnickschnack und Pflanzen kaufen konnte. Ansonsten blieb man, anders als auf anderen Messen und Ausstellungen, bis auf die erwähnten Länderpavillions von Kaufangeboten weitestgehend verschont. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn er nicht ganz billig war: 2 Tage Eintritt: 40 Euro pro Person, Seilbahnticket 6 Euro pro Person, Parkticket 10 Euro pro Tag = 112 Euro für uns beide. Dazu noch völlig überteuertes und schlechtes Essen, da wir am ersten Tag kein Picknick dabei hatten - das war aber auch der größte Kritikpunkt, den wir hatten. Schade, denn der regionale Aspekt spielte eine so große Rolle bei der Veranstaltung, so dass regionale Verpflegung sicherlich machbar gewesen wäre - und sicherlich nicht teurer und 1000 Mal besser als bei dem internationalen Großkonzern, der auch der in Deutschland Schulen versorgt. Selbst das Restaurant mit dem dem goldenen M wäre auf dem Gelände eine Verbesserung gewesen!


Erwähnen möchte ich noch unsere Unterkunft "de fruitschuur", ein niedliches kleines B&B das von den Besitzern liebevoll in einer alten Obstscheune eingerichtet wurde - ein Raum, mit kleiner aber funktionaler Küche, einer Schlafgelegenheit unter dem Dach, Dusche & WC, mit eigener Sitzgelgenheit unter einem alten Apfelbaum, so dass wir draußen frühstücken und zu Abend essen konnten. Ein großartiger Tipp, falls es mal jemanden in diese Gegend verschlagen sollte (warum auch immer man nach Venlo wollen sollte...)



mehr Fotos gibt es hier:



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